Die Hoffenheim Prognose

Akte Hoffenheim TSG

Der Transfer-Gigant vom Dorf. Dossier, Match Intelligence und Prediction Markets — alles zur TSG Hoffenheim.

↗ aktebundesliga.net Die ganze Bundesliga
TSG Hoffenheim
Foto: Imago Images
Teil 1
Die Akte
Triumphe, Tragödien, Erfolge und Peinlichkeiten — das komplette Club-Dossier in 12 Kapiteln.
PrologSteckbriefGood to KnowHaterLoverMIPsPNGTragischOMGFun FactsSpecialWeise Worte
Bald
Teil 2
Intelligence
KI-gestützte Match-Analyse, Teamdaten, Verletzungen und Head-to-Head-Statistiken.
KaderNächstes SpielStatistikenForm
Bald
Teil 3
Predictions
Prediction Markets, Portfolio-Management und Risiko-Analyse mit Kelly Criterion.
Directional AlphaArbitragePortfolioRisk Tools

Prolog

Was diese Seite ist — und warum

„AKTE HOFFE" richtet sich an Lover und Hater der TSG. Geschichte wird Legende, Legende wird Mythos. Und aus Mythos wird Kult. Oder Grund zum „ewigen" Fremdschämen — je nach Ereignis mal so oder eher so.

Der Transfer-Gigant vom Dorf. Dietmar Hopp machte aus einem Kreisliga-Verein einen Bundesligisten — und wurde dafür von den Ultras der Republik gehasst. Nagelsmann startete hier seine Trainerkarriere mit 28, Firmino und Süle wurden zu Weltstars geformt. Die TSG Hoffenheim ist der Verein, der beweist, dass Geld und Konzept die Fußball-Romantik überwinden können — zum Ärger vieler.

Aber diese Seite geht über das reine Feiern oder Hassen hinaus. Akte Hoffe ist in drei Teilen aufgebaut: Das Club-Dossier erzählt die Geschichte — Triumphe, Tragödien, Skandale, Helden und Versager in 12 Kapiteln. Die Match Intelligence liefert die laufenden Daten, die ein Profi braucht: Kader, Statistiken, Head-to-Head, Verletzungen, Form. Und die Predictions bringen alles zusammen — mit Prediction Markets.

Prediction Markets sind kein Wetten. Bei klassischen Sportwetten verliert die Masse — das Geld geht an den Buchmacher, der seine Marge eingebaut hat. Bei Wettbörsen ist es ähnlich: Provisionen auf Gewinne, Liquiditätsengpässe und Spread fressen die Rendite. Prediction Markets funktionieren fundamental anders. Es gibt keinen Buchmacher, der das Haus gewinnen lässt. Stattdessen fließt Geld von denen, die nicht wissen, zu denen, die es richtig machen — mit Risiko-Management, Portfolio-Diversifikation und diszipliniertem Kapital-Einsatz. Man kann 24/7 handeln, Positionen aufbauen und abbauen, und wartet auf die binäre Auflösung des Events. Wer es versteht, betreibt keine Spekulation, sondern systematisches Trading.

Akte Hoffe ist Teil von Akte Bundesliga — dem gleichen Konzept für alle 18 Bundesliga-Vereine. Jeder Verein bekommt sein eigenes Dossier, seine eigene Intelligence, seine eigenen Predictions. Das große Ganze findest du unter aktebundesliga.net.

Steckbrief

Daten, Fakten und Ereignisse

Steckbrief – Daten, Fakten und Ereignisse

Die Turn- und Sportgemeinschaft Hoffenheim 1899 e. V. (kurz: TSG 1899 Hoffenheim) ist im Sinsheimer Stadtteil Hoffenheim beheimatet und hat 10.767 Mitglieder (Stand: 1. Juli 2019). Bekannte Trainer der TSG Hoffenheim sind u.a. Ralf Rangnick (07/2006 - 12/2010), Julian Nagelsmann (02/2016 - 06/2019) und Hansi Flick (07/2000 - 11/2005).

Die Fußballabteilung des Vereins wird im Jahr 2005 in die TSG 1899 Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH mit Sitz in Zuzenhausen ausgegliedert. Die erste Profimannschaft der Herren spielt seit 2008/09 in der Fußball-Bundesliga. Die Heimspiele der ersten Mannschaft finden in der im Januar 2009 eröffneten Rhein-Neckar-Arena (PreZero-Arena) in Sinsheim statt; davor sind das Dietmar-Hopp-Stadion in Hoffenheim und das Carl-Benz-Stadion in Mannheim die Spielaustragungsstätten. Die Rhein-Neckar- bzw. PreZero-Arena bietet offiziell 30.150 Zuschauern Platz.

SAP-Mitgründer Dietmar Hopp hält per Dezember 2019 96 Prozent der Anteile an der TSG 1899 Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH und kontrolliert Verein und GmbH. Dieses ist möglich, da er die TSG Hoffenheim zum Zeitpunkt der Übernahme bereits mehr als 20 Jahre lang unterstützt hat und so im Juli 2015 trotz der vom DFB festgelegten 50+1-Regel die Mehrheit der Stimmrechte übernehmen kann.

Wie viele andere Vereine in Deutschland entsteht die TSG Hoffenheim aus einem Turnverein heraus. Das Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts deutlich populärere Turnen ist zunächst Hauptstütze des Vereins. Ende der 1920-er Jahre wird im damaligen Turnverein eine Handballabteilung geschaffen. Gespielt wird – wie damals üblich - Feldhandball. Mit der Verdrängung des Feldhandballs durch Hallenhandball wird die Abteilung Anfang der siebziger Jahre aufgelöst. Grund - es fehlt eine geeignete Halle. Neben Leichtathletik ist Turnen die einzige heute noch in der TSG Hoffenheim existierende Sportart. Heute nicht mehr vorhandene, ehemalige Abteilungen innerhalb der TSG Hoffenheim sind Schach, Volleyball, Judo und Jiu-Jitsu.

TSG Hoffenheim
Abb.1.13.1 Der Aufstieg des Dorfvereins wäre ohne Dietmar Hopp und die SAP-Milliarden unmöglich gewesen. Foto: Imago Images/ Michael Weber Foto: Imago Images

Erfolgreich sind die Rhythmischen Sportgymnastinnen des Vereins. Die 1978 gegründete Abteilung nimmt 1983 und 1985 an den deutschen Meisterschaften teil. Mit dem aufkommenden Erfolg der Fußballer entwickelt sich die Rhythmische Sportgymnastik in der TSG hin zum Cheerleading. Im Jahr 2005 wird die Abteilung aufgelöst.Übrigens: Die Eingliederung der SG Hoffenheim/St. Leon in die TSG 1899 Hoffenheim erfolgt im Jahr 2007. Die Frauen spielen seit der Saison 2013/14 durchgehend in der Bundesliga. Ein männliches Cheerleading-Team gibt es nicht.

Good to Know

Was wenige wissen

1899 Hoffenheim ist ein Dorfverein. Das ist bekannt. Weniger bekannt ist, dass das Team aus dem Bundesliga-Standort mit den wenigsten Einwohnern kommt.

Nimmt man nur die 3.266-Einwohner-Gemeinde Hoffenheim, so löst die TSG 2008 die bis dahin kleinste Bundesliga-Stadt Unterhaching (ca. 22.000 Einwohner) ab. Rechnet man die Einwohnerzahl von Sinsheim, wo auch die Spiele der TSG ausgetragen werden, hinzu, so kommt man auf 36.000 Einwohner – und liegt damit hinter ,,Haching“. Bevor die Münchner Vorstädter 1999 in die Bundesliga kommen, hat der saarländische Klub FC 08 Homburg mit 44.000 Einwohnern den Titel ,,kleinste Bundesliga-Stadt“ über mehr als zehn Jahre inne.Aber: 1899 Hoffenheim kann sich anders als die übrigen ,,Kleinen“, Unterhaching, Homburg oder auch zuvor Borussia Neunkirchen (47.000 Einwohner) nicht nur dauerhaft in der Bundesliga etablieren, sondern man schafft auch als einziger der ,,Dorfklubs“ den Sprung ins internationale Geschäft.

Dieser Aufstieg wird durch die massive Förderung von Verein und GmbH durch den SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp möglich. Mit Hilfe seiner finanziellen Unterstützung gelingt zwischen 1990 und 2008 der Aufstieg von der Kreisliga A bis zur Bundesliga. Das ist bekannt. Eher unbekannt ist, dass der Trigger für das Engagement von Hopp der Legende nach eine Niederlage der TSG Hoffenheim im Relegationsspiel gegen den 1. FC Stebbach (2:4 nach Verlängerung) und der Abstieg des Vereins aus der Bezirksliga in die Kreisliga A im Jahr 1989 sind. Als Folge – so heißt es - beschließt der SAP-Mitbegründer und Milliardär seinen Heimatverein als Mäzen finanziell zu unterstützen.

Der Aufstieg der TSG Hoffenheim ist mit viel Geld und teuren Spielerverpflichtungen wettbewerbsverzerrend erkauft worden. Das mögen viele „Hoffe-Hater“ so sehen. Es stimmt aber nur bedingt. Vielmehr ist die TSG ein Transfer-Gigant vom Dorf mit einer Spürnase für Spieler, die sich teuer verkaufen lassen. Beispiele gefällig? Zehn Spieler hat die TSG in den letzten neun Jahren (Stand: Dezember 2019) für einen zweistelligen Millionenbetrag an andere Vereine transferiert und hierfür insgesamt 242.5 Millionen Euro erlöst (Quelle: Transfermarkt.de). Mit Joelinton und Firmino sind zwei Spieler unter diesen zehn, die mehr als 40 Millionen Euro Ablöse einbringen. Die teuersten Spielerverkäufe sind:

NummerSpielerStatistiken SaisonVerkauft anAblösesumme1Joelinton19/20Newcastle44 Mio. €2Firmino15/16Liverpool41 Mio. €3Demirbay19/20Leverkusen32 Mio. €4Schulz19/20Dortmund25,50 Mio. €5Süle17/18FC Bayern20 Mio. €6Volland16/17Leverkusen20 Mio. €7Eduardo10/11Kazan20 Mio. €8Gustavo10/11FC Bayern20 Mio. €9Wagner17/18FC Bayern13 Mio. €10Sigurdsson12/13Tottenham10 Mio. €Gesamt245.5 Mio. €Abb.1.13.2 Die zehn teuersten Spielerverkäufe der TSG Hoffenheim seit der Saison 2010/11. Quelle: Transfermarkt.de

TSG Hoffenheim
Abb.1.13.3 Dietmar Hopp (Mitte mit Pokal) feiert am 09.06.2001 mit dem Team den Aufstieg der TSG Hoffenheim in die Regionalliga. Foto: Imago Images/ Pressefoto Baumann

Was auch selten in den Medien Erwähnung findet: Hopp hat für den Verein in den 1960-er Jahren gespielt, als dieser nie über die A-Klasse Sinsheim hinauskommt. Legend has it, dass der Stürmer Hopp vom örtlichen Fleischer für jedes Tor eine Büchse hausgemachte Leberwurst erhält. ,,Wenn durch diese freundschaftliche Geste die emotionale Bindung zwischen Hopp und dem Verein entstand, sollte man dem Metzger im Kraichgau ein Denkmal bauen“, heißt es dazu im Hoffenheim-Special von bpa-Media (2009).

Für die Hater

Peinliche Katastrophen und große Niederlagen

Hoch geflogen und tief gefallen: Hoffenheim stürmt 2008 als Aufsteiger zur ,,Herbstmeisterschaft“ in der Fußball-Bundesliga. Das hat es zuletzt 1997 mit dem 1. FC Kaiserslautern gegeben, der am Ende sensationell Deutscher Meister wird. Hoffenheim gelingt dies nicht. Dem unfassbaren Run der Mannschaft von Trainer Ralf Rangnick mit elf Siegen und nur vier Niederlagen aus 17 Spielen (35 Zähler) und der besten Heimbilanz (23 Punkte) im Ausweichstadion in Mannheim folgt der Absturz. Hoffenheim holt in der Rückrunde nur 20 Punkte und landet mit 55 Zählern auf Platz sieben außerhalb der Europacup-Ränge. Das ist bis heute die schlechteste Endplatzierung eines ,,Herbstmeisters“ in der Bundesliga-Geschichte.

0:4 beim Berliner AK: Die größte fußballerische Peinlichkeit der TSG steht in den Ergebnislisten der ersten DFB-Pokal-Runde der Saison 2012/13. Mit 0:4 verlieren die Hoffenheimer beim Regionalligisten Berliner AK. Nie zuvor ist ein Bundesliga-Team gegen einen Klub aus der Regionalliga (4. Liga) mit so einem hohen Ergebnis aus dem Pokal ausgeschieden…

Bitte nicht nach München! Der FC Bayern wäre nicht der FC Bayern, wenn er nicht in gewohnt ironischer Art über den Emporkömmling geurteilt hätte. Als Hoffenheim im Herbst 2008 als Tabellenführer nach München reist, sucht Karl-Heinz Rummenigge – bei den Bayern für das offene Wort bekannt – nach Erklärungen: ,,1899 Hoffenheim? Wo haben die sich über all die Jahre versteckt?“ Wir wissen es nicht. Was wir aber wissen ist, dass mit dem 2:1 für Bayern im Spitzenspiel am 5. Dezember 2008 eine verheerende Negativ-Serie für ,,Hoffe“ in München beginnt. Aus elf Partien in der Allianz Arena holt 1899 Hoffenheim nur zwei Remis. Dann kommt der 5. Oktober 2019 und die schwarze Serie reißt ausgerechnet am letzten Wiesn-Wochenende, die TSG gewinnt in München 2:1. Zu Hause sieht die Bilanz nicht wirklich besser aus: Den ersten von nur zwei Hoffenheimer Siegen in elf Jahren gegen den Rekordmeister gibt es erst in der Saison 2016/17 (1:0). Gegen keinen anderen Gegner kassieren die Kraichgauer mehr Niederlagen als gegen den FC Bayern (15) – Stand Dezember 2019.

Champions League auf dem Dorf? Das geht gar nicht! Wenig zufriedenstellend ist auch das Champions-League-Debüt 2018/19. Mit nur drei Punkten aus den sechs Gruppenspielen gegen Manchester City, Olympique Lyon und Schachtjor Donezk legt 1899 Hoffenheim die schwächste Bilanz eines deutschen Champions-League-Neulings hin.

Katastrophen-Jahr 2012/13: In dieser Saison scheint es, als würde sich Hoffenheim nach fünf Jahren wieder aus der Bundesliga verabschieden müssen. Erst ein hochdramatischer 2:1-Erfolg beim Deutschen Meister und Champions-League-Finalisten Borussia Dortmund am letzten Spieltag rettet die Mannschaft von Trainer Markus Gisdol, vierter Coach in dieser Saison, vor dem direkten Abstieg und in die Relegation gegen 1. FC Kaiserslautern! 19 Saison-Niederlagen und nur acht Siege bedeuten bis heute die Negativ-Werte in der Bundesliga.

TSG Hoffenheim
Abb.1.13.4 Auch der damalige TSG-Nationalspieler Andreas Beck (l.) kann die Pokal-Pleite beim Berliner AK im Berliner Poststadion in der Saison 2012/13 nicht verhindern. Foto: Imago Images/Sebastian Well

Höchste Niederlage im bezahlten Fußball: 1:7 in der Saison 2011/12 - in der Bundesliga ist das 1:7 beim FC Bayern München in der Saison 2011/12 die bis Dezember 2019 höchste Niederlage der Kraichgauer.

Höchste Heimniederlage: Die höchste Heimniederlage setzt es in der Bundesliga in der Saison 2012/13 am 2. Spieltag gegen Eintracht Frankfurt mit 0:4.

Die längste Niederlagenserie: Die längste Niederlagenserie im bezahlten Fußball gibt es gleich zwei Mal. In der Saison 2011/12 und in der Saison 2012/13 verlieren die Hoffenheimer jeweils sechs Mal in Folge. Vom 12. bis zum 17. Spieltag der Saison 2012/13 und vom 32. bis 34. Spieltag der Saison 2011/12 und vom 1. bis 3. Spieltag der Saison 2012/13.

Die meisten Niederlagen in einer Saison: 19 Niederlagen gibt es in der Saison 2012/13. Negativrekord für die Kraichgauer.

Für die Lover

Wichtige Triumphe und große Erfolge

BVB – Mein liebster Feind: Borussia Dortmund und seine Fans machen von Anfang an Stimmung gegen den Emporkömmling aus dem Kraichgau. Schmäh-Rufe gegen 1899-Mäzen Dietmar Hopp, Plakate, die den SAP-Gründer im Fadenkreuz zeigen und andere Geschmacklosigkeiten sorgen dafür, dass die Partie BVB gegen 1899 Hoffenheim wohl nie ein ,,normales“ Bundesliga-Spiel wird. Hoffenheim gibt dabei durchaus mal die Antwort auf dem Platz: Mit 4:1 schlägt man den BVB am 21. September 2008 in Mannheim. Höher verliert der Revierklub unter Trainerfuchs Jürgen Klopp, der von 2008 bis 2015 im Amt ist, nur gegen den FC Bayern (1:5, September 2009). Letzte Nadelstiche der Hoffenheimer sind das 3:3 in Dortmund am 9. Februar 2019 nach 0:3-Rückstand und der Heimsieg mit 2:1 am 17. Spieltag der Bundesligasaison 2019/20 – ebenfalls nach Rückstand (0:1 bis zur 79. Minute).

,,DFB-Pokal – Das ganz große Ding“: Kristian Arambasic heißt der Mann, der sich mit seiner Kabinenansprache an sein Team SG Aumund-Vegesack (Bremen-Pokalsieger) am 3. August 2013 vor dem DFB-Pokalspiel gegen 1899 Hoffenheim in so ziemlich jeden Jahresrückblick bringt. ,,DFB-Pokal, das ganz große Ding haben wir heute hier“, legt er los. Und steigert sich rein: ,,Ihr arbeitet, nicht so wie die da drüben, die spielen nur Fußball, die kommen zehn Minuten früher raus – und eiern da ein bisschen rum. Wir gehen da jetzt hin – und reißen denen den Arsch auf!“ Das klappt allenfalls bedingt. Nach 0:0 zur Pause zeigt ,,Hoffe“ den Amateuren, wo der Hammer hängt – und siegt noch 9:0. Neben dem 9:0 gegen USC Paloma Hamburg bis Dezember 2019 der höchste DFB-Pokalerfolg für 1899!

Der größte Erfolg gelingt 1899 Hoffenheim unter Trainer Julian Nagelsmann: In der Spielzeit 2017/18 stürmt ,,Hoffe“ auf Rang 3 in der Bundesliga und damit direkt in die Champions League. Die Entscheidung fällt am letzten Spieltag am 12. Mai 2018 im direkten Duell gegen Borussia Dortmund (3:1). Ein Jahr zuvor haben sich die ,,Nagelsmänner“ mit Rang 4 in die Champions-League-Qualifikation gehievt, wo aber nach einem 1:2 und einem 2:4 gegen den späteren Finalisten FC Liverpool Schluss ist.

Pogo am Betzenberg: Ganz Fußball-Deutschland hält im Relegations-Duell 2013 gegen ,,ein von unbeugsamen Hoffenheimern bevölkertes Dorf“ (bpa Media) zum Traditionsklub 1. FC Kaiserslautern. Selbst ARD-Reporter Steffen Simon kann sich eine Spitze gegen den Dorfklub aus dem Kraichgau vor dem Anpfiff im Rückspiel im Fritz-Walter-Stadion nicht verkneifen: ,,Schwenkt doch mal rüber, damit man die leeren Plätze im Hoffenheim-Block sieht“. Nützt aber alles nichts! Hoffenheim setzt sich mit 3:1 und 2:1 (am Betzenberg) durch – und feiert anschließend mit einer Pogo-Einlage vor dem ach so leeren Gästeblock…Apropos: Der Versuch des 1. FC Kaiserslautern, sich im DFB-Pokal zu rächen, geht in der Saison 2018/19 ebenfalls schief. Mit 6:1 gewinnt „Hoffe“ in der Pfalz in der ersten Runde des Wettbewerbs.

Auf die Hörner: Kein Bundesliga-Klub hat es von den Kraichgauern so deftig abbekommen wie der 1. FC Köln am 31. März 2018. Mit 6:0 nehmen die Hoffenheimer die ,,Geißböcke“ in der PreZero-Arena auseinander. Der spätere Bayern-Profi Serge Gnabry und der gebürtige Kölner Mark Uth treffen jeweils zweimal.

TSG Hoffenheim
Abb.1.13.5 Erfolgreich mit dem Junior-Trainer Nagelsmann von 02/2016 bis 06/2019 – TSG Hoffenheim. Foto: Imago Images/ Eibner, Infografik by Ligalive, Infografik erstellt von Andjela Jankovic im Auftrag von Closelook Venture GmbH

Berlin ist eine Reise wert: Am 21. Dezember 2014 gewinnen die Vertreter des kleinsten Bundesligastandorts bei denen des größten mit 5:0. Der Triumph bei der Hertha ist Hoffenheims höchster Auswärtssieg in der Bundesliga (Stand: Dezember 2019).

Die Saison 2007/08: Die meisten Siege in der 1. oder 2. Liga landet Hoffenheim in der Saison 2007/08, dem Aufstiegsjahr zur 1. Bundesliga. Die Mannschaft von Trainer Ralf Rangnick gewinnt 17 von 34 Spielen.

Die beste Tordifferenz: Die beste Tordifferenz in der Bundesliga schießen die ,,Nagelsmänner“ von 1899 Hoffenheim in ihrer erfolgreichen Saison 2016/17 mit Champions-League-Quali und Europa-League-Teilnahme heraus – plus 27! Top-Torjäger sind Andrej Kramaric und Sandro Wagner mit 15 bzw. 11 Treffern.

Die längste Siegesserie: Die längste Siegesserie gelingt der TSG Hoffenheim in der Saison 2007/08 in der 2. Bundesliga mit sieben Siegen in Folge vom 18. bis zum 24. Spieltag.

Most Important Persons

Diese Typen prägen den Verein

Dietmar Hopp

Der SAP-Mitgründer:Im Dörfchen Stebbach ändert sich am 4. Juni 1989 für die TSG Hoffenheim alles. Die Mannschaft verliert auf dem Dorfsportplatz 2:4 nach Verlängerung gegen den FC Stebbach und steigt nach einer desaströsen Saison in die Kreisliga ab. Einer der knapp 1.000 Zuschauer der Tragödie an d…

Ralf Rangnick

Der Professor:Der „Architekt des Erfolgs” kommt 2006 nach Hoffenheim und schafft es die Mannschaft innerhalb von zwei Spielzeiten von der Drittklassigkeit heraus in die Bundesliga zu führen. So folgt nach dem Aufstieg in die 2. Liga direkt der Durchmarsch in die Bundesliga. Nach viereinhalb erfolgre…

Vedad Ibišević

Der erste Bundesligatreffer:Der bosnische Stürmer schießt das erste Hoffenheimer Bundesligator überhaupt. Am ersten Spieltag im August 2008, im Rahmen des 3:0-Sieges bei Energie Cottbus, trifft er bereits in der 18. Minute. Im Oktober wird er „Fußballer des Monats”, danach Herbstmeister mit Hoffenh…

Roberto Firmino

Der brasilianische Weltstar:Der brasilianische Stürmer sichert am 16. April 2011 mit seinem ersten Bundesligatreffer den 1:0-Heimsieg über Eintracht Frankfurt. Als Firmino von Brasilien nach Hoffenheim wechselt, bezeichnet ihn die lokale „Rhein-Neckar-Zeitung" als sportlichen Fehlgriff. Die vier Mil…

Julian Nagelsmann

der Bubi-Trainer:Der bis dato jüngste Erfolgstrainer der Bundesligageschichte tritt in Hoffenheim das erste Mal ins Scheinwerferlicht. Als Nachwuchstrainer wird er 2014 mit 26 Jahren der jüngste U19-Meistertrainer mit den A-Junioren der TSG. 2015 gibt der Vorstand bekannt, dass Nagelsmann als Nachfo…

TSG Hoffenheim
Abb.1.13.6 Dietmar Hopp feiert mit dem Team der TSG Hoffenheim den Aufstieg in die Bundesliga. Es ist der 30. Mai 2008. Foto: Imago Images/ nanopixx

Personae Non Gratae

Diese Typen sind unbeliebt

Tim Wiese

Das Missverständnis:Elf Pflichtspiele und davon nur einmal ohne Gegentreffer, so lautet die bittere Bilanz des “Torwart-Prolls“ bei der TSG. Wiese lehnt 2012, so die Fußball-Legende, auf Drängen seines Beraters Roger Wittmann, ein Angebot von Real Madrid ab, um in den Rhein-Neckar-Kreis zu ziehen. I…

Sandro Wagner

der Egoshooter:Selbstdarsteller Sandro W. macht in seiner Zeit bei Hoffenheim auch durch lautes Kundgeben seiner Meinung und Selbstinszenierungen auf dem Platz von sich reden. Der 1,94 Meter große Stürmer redet schon immer gerne und viel und nun, auf der großen Fußballbühne angekommen, hört ihm endl…

Neidische Bundesligamanager

Haters gonna hate:Christian Heidel wird im Jahr 2007, vor einem Spiel von Mainz gegen Hoffenheim, von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit den Worten „Schade, dass so eine Mannschaft einen der 36 Plätze im Profi-Fußball wegnimmt“ zitiert. „Scheiß Millionäre“, „Ohne Dietmar wärt ihr gar nicht hier…

Hans

Joachim Watzke und BVB-Ultras – Ohne Kommentar:Der Vorstandsboss von Borussia Dortmund profiliert sich gerne als Chefkritiker von Investoren getriebenen Modellen im Profifußball. Dabei ist er Chef des einzigen an der Börse notierten Fußballvereins in Deutschland. Auch für „Hoffe“ hat der Fußballroma…

BVB

Ultras – Ohne Kommentar:Herbst 2008 - auch bei Fußballfans stößt das Projekt Hoffenheim mit zunehmendem Erfolg nicht auf Zustimmung. Dortmunder Anhänger präsentieren ein Transparent mit Hopps Konterfei, einem Fadenkreuz und der Aufschrift: „Hasta la vista Hopp!“ Das Sportgericht will fortan mit Plat…

TSG Hoffenheim
Abb.1.13.7 TSG Hoffenheim und Tim Wiese – kein guter „Fit“ aber elf Spiele, drei Jahre Urlaub – „Jackpot“ für den „Bad Boy“. Foto: Imago Images/ Michael Weber

Tragisch

Diese Personen hatten Pech

Heurelho Gomes – Falsche Entscheidung:Hoffenheim und seine Torhüter sind ein schwieriges Thema. Ohne Spielpraxis, ohne Sprachkenntnisse und das Debüt nach nur einer Trainingseinheit, das sind die Komponenten für einen Fehlstart im TSG-Tor. Die als Ersatz für den aussortierten Tim Wiese eingeflogene Leihgabe aus Tottenham macht während ihrer TSG-Zeit (31.01.2013 bis 30.06.2013) mehr durch ein YouTube-Video als mit tollen Paraden von sich reden. In einem zweiminütigen Zusammenschnitt, untermalt mit stereotypischer Zirkusmusik, fliegt Gomes elegant am Ball vorbei, greift ins Netz und fängt nichts als Luft. Ursprünglich gekommen, um den Zirkus um Tim Wiese zu beenden, präsentiert er sich den Fans eher als Lachnummer. Nach nur neun Einsätzen und einem Handbruch wird er nach Hause geschickt.

Boris Vukčević: - Der Autounfall:Boris Vukčević beginnt 1995 beim hessischen Klub SV Staufenberg mit seiner fußballerischen Karriere. Im Sommer 2008 wechselt er zur zweiten Mannschaft der TSG 1899 Hoffenheim. Am letzten Spieltag der Saison 2008/09 kommt er beim 3:2-Auswärtssieg beim FC Schalke 04 in der Bundesliga zum Einsatz. Seit Beginn der Saison 2009/10 steht er auch regelmäßig im Aufgebot der ersten Mannschaft und erzielt am letzten Spieltag gegen den VfB Stuttgart sein erstes Bundesligator. Vukčević durchläuft verschiedene deutsche Jugendnationalmannschaften und kommt 2008 zu einem Einsatz in der U-19 und zwischen 2009 und 2010 auf zwei Einsätze in der U-20. Seit 2010 ist er U-21-Nationalspieler und kommt dort auf sechs Einsätze. Die Bundesliga-Karriere scheint vorgezeichnet. Dann folgen zwei Katastrophenjahre. Am 2. April 2011 erleidet er im Spiel gegen den Hamburger SV einen Wadenbeinbruch und fällt bis Ende November 2011 aus. Im Herbst 2012 verunglückt er schwer mit dem Auto und fällt ins Koma. Aus diesem erwacht er später wieder. Sein bis zum Sommer 2014 laufender Vertrag wird von Hoffenheim nicht verlängert. Geschäftsführer Peter Rettig versucht zu beschwichtigen: „Wenn Boris wieder Fußball spielen kann, wird er einen Vertrag bei der TSG 1899 Hoffenheim bekommen.“ Besonders tragisch: Die rechtsmedizinische Auswertung der ärztlichen Unterlagen bezüglich des Autounfalls 2012 ergibt eine akute Unterzuckerung als Unfallursache. Vukčević ist Typ-1-Diabetiker und hat bereits im Oktober 2010 einen Autounfall aus diesem Grund.Ein Jahr nach seinem Unfall erklären seine Eltern in einem Interview, dass er gute Fortschritte erzielt habe „auf dem Weg zurück in ein normales Leben.“ Am 2. April 2014 zeigt er sich anlässlich eines Besuches bei seiner Mannschaft zum ersten Mal wieder in der Öffentlichkeit. In der Bundesliga sieht man ihn aber nie wieder.

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Abb.1.13.8 Tragische Figur im Tor von Hoffenheim – Heurelho Gomes im Jahr 2013 bei der TSG Hoffenheim. Foto: Imago Images/MIS

OMG — Oh My God

Das kann doch nicht wahr sein

Trainingsgruppe Zwei: Die Saison 2013/14 beginnt bei den Kraichgauern mit einer Rundumerneuerung des Kaders. Spieler wie Daniel Williams, Igor de Camargo und Chris haben den Verein verlassen. Bis dato etablierte Kräfte wie Tim Wiese, Tobias Weis, Edson Braafheid, Matthias Jaissle und Matthieu Delpierre werden von Trainer Markus Gisdol aussortiert und in die sogenannte „Trainingsgruppe 2“ versetzt. Diese darf nicht mit den anderen Spielern trainieren und nimmt auch nicht am Spielbetrieb der zweiten Mannschaft teil. Nach heftiger öffentlicher Kritik wird sie im September 2013 aufgelöst. Zur Rückrunde verlassen bis auf Tim Wiese alle Spieler den Verein.

Pokal-Pleiten: Den ,,kürzesten Weg nach Europa“ über den DFB-Pokal scheint 1899 Hoffenheim kalt zu verschmähen. Seit dem Bundesliga-Aufstieg 2008 kommt der Klub nie weiter als bis ins Viertelfinale. Von 2017 bis 2019 ist dreimal in Folge in der zweiten Runde Schluss. Die letzte Teilnahme unter den besten acht Teams gibt es 2014/15 (Stand: Dezember 2019), als man erst nach Verlängerung beim BVB (2:3) ausscheidet!

Keine Lust auf Hoffe: Der TV-Sender Sky präsentiert in der Saison 2018/19 266 Bundesliga-Partien. Im Schnitt schalten fünf Millionen Zuschauer am Spieltag ein, alleine die Topspiele zwischen Borussia Dortmund und Bayern München sehen jeweils über zwei Millionen Menschen. Doch es gibt auch Spiele, die „keine Sau“ sehen will. In der Saison 2018/19 sind es genau vier Spiele, die unter dem technisch messbaren Bereich (mindestens 5.000 Zuschauer) bleiben und somit statistisch gesehen von null Personen gesehen werden.Es sind: Mainz 05 gegen VfL Wolfsburg am 26. September in einer englischen Woche und drei Partien vom letzten Spieltag der Saison 2018/19. Hertha BSC gegen Bayer 04 Leverkusen, VfL Wolfsburg gegen den FC Augsburg und Mainz 05 gegen 1899 Hoffenheim.

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Abb.1.13.9 Die berühmte „Trainingsgruppe 2“ in Aktion. Matthias Jaissle (l.) Edson Braafheid (m), Tobias Weis (r.) Matthieu Delpierre ist nicht im Bild. Foto: Imago Images/ ARP

Fun Facts

Wissen für Blowhards, Braggadocios und Connaisseurs

Dass 1899 Hoffenheim von Dietmar Hopp unterstützt wird, wissen die meisten Fußballfans in Deutschland. Weniger bekannt ist das hier…

Hoffe und die Torhüter: Tim Wiese ist der Aussitzer bei 1899 Hoffenheim, Tom Starke ist Publikumsliebling. TSG-Coach Markus Babbel sieht das im Sommer 2012 offenbar anders und jagt den Keeper weg. Starke wechselt ausgerechnet zu Babbels Ex-Klub FC Bayern München und wird dort bis zu seinem Abschied auf der Ersatzbank oder Tribüne sechsmal Deutscher Meister und Champions-League-Sieger 2013. Immerhin zehnmal kommt der Vertreter von Manuel Neuer in der Bundesliga noch zum Einsatz.

Der eingesprungene Aushilfs-Kevin: Dortmund, 18. Mai 2013. Für 1899 Hoffenheim geht es im letzten Spiel der Saison beim BVB um alles. Die Borussia führt lange mit 1:0, ,,Hoffe“ wäre damit abgestiegen. Dann die aus Sicht der Gäste unglaubliche Wende – in nur fünf Minuten! Sejad Salihovic (77.) nutzt erst einen Foulelfmeter zum 1:1. Dann sieht BVB-Keeper Roman Weidenfeller die Rote Karte und es gibt wieder einen Elfmeter. Da Dortmunds Coach Jürgen Klopp schon drei Mal gewechselt hat, muss mit Kevin Großkreutz ein Feldspieler ins Tor. Salihovic lässt dem eingesprungenen Aushilfs-Kevin keine Chance und jagt den Ball wuchtig in die Tor-Mitte. 2:1, Hoffenheim ist gerettet!

Wegbereiter der Torkamera: Am 18. Oktober 2013 wird in Sinsheim Bundesligageschichte geschrieben. Weil ein Loch im Netz ist, gelangt der Kopfball von Leverkusens Stefan Kießling ins TSG-Tor. Keiner kann es sich erklären, Kießling jubelt nur verhalten, die Hoffenheimer schauen sich verdutzt an und Schiedsrichter Felix Brych erhält die Information, die zigtausend TV-Zuschauer haben, auch nicht. Es gibt noch keinen Videobeweis, nicht mal die Torkamera. Leverkusen gewinnt mit 2:1, nun legt Hoffenheim Protest ein, der abgeschmettert wird. Aber er hat eine segensreiche Folge: zur Saison 2015/16 wird die Torkamera eingeführt. Der Prolog zu diesem neuen Kapitel des Fußballs wird zwei Jahre zuvor in Sinsheim geschrieben.

Kevin fast allein an der Spitze: Ein Hoffenheimer ist der schnellste Torschütze der Bundesligahistorie. Kevin Volland, der 2016 nach Leverkusen wechselt, überwindet am 22. August 2015 Bayern Münchens Torhüter Manuel Neuer schon neun Sekunden nach dem Anpfiff. Genauso schnell ist nur Leverkusens Karim Bellarabi (2014 in Dortmund).

TSG Hoffenheim
Abb.1.13.10 Marvin Compper ist der erste Nationalspieler der TSG Hoffenheim. Sein einziges Länderspiel für die A-Nationalmannschaft bestreitet er am 19.11.08 in Berlin bei der 1:2-Niederlage im Freundschaftsspiel gegen England. Foto: Imago Images / Picture Point

Der erste Nationalspieler von ,,Hoffe“ ist Marvin Compper: Der Innenverteidiger wird von Bundestrainer Joachim Löw aber nur ein einziges Mal nominiert und aufgestellt – und zwar beim 1:2 gegen England am 19. November 2008 in Berlin.

Nur ein einziges Mal auf Platz 1: Die TSG 1899 Hoffenheim steht in ihrer jüngeren Vereinsgeschichte nur einmal am Saisonende auf Rang 1: in der Oberliga Baden-Württemberg in der Saison 2000/01. Der Sprung von der Regionalliga in die 2. Liga gelingt 2007 als Vizemeister, ebenso verhält es sich beim Bundesligaaufstieg 2008.

Julian Nagelsmann: Julian Nagelsmann übernimmt den Posten des Cheftrainers der Profimannschaft der TSG Hoffenheim Mitte Februar 2016. Da ist er genau 28 Jahre, sechs Monate und 15 Tage alt. Und ist der jüngste Cheftrainer in der Bundesligageschichte (Stand: Dezember 2019). Allerdings nur wenn man Bernd Stöber nicht mitzählt. Der ist 1976 für ein Spiel Interimstrainer des 1. FC Saarbrücken im Spiel gegen den 1. FC Köln. Da ist er 24 Jahre alt. Doch: Stöber agiert als Aushilfe, Nagelsmann als von vorne herein festangestellter Retter und nicht als Interimslösung. Wissen für Blowhards!

Special Moments

Der Milliardär und die Leberwurst

Das „Wunder von Bern“ am 4. Juli 1954 begeistert den 14-jährigen Dietmar Hopp so sehr, dass er wenige Tage später bei der TSG 1899 Hoffenheim vorstellig wird. „Ich wollte auch Fritz Walter sein“, erklärt er Jahre später in einem Feature auf der Homepage des Bundesligisten. Sein erstes Spiel macht Dietmar Hopp noch in den Knickerbockern seines Bruders und in dessen Fußballstiefeln – auch fast zehn Jahre nach dem Krieg ist im Kraichgau Sparen das Gebot der Stunde. Ebenfalls voll im Trend der Wirtschaftswunderzeit: Deftige Kost für die Fußballer.

Vergessen wir Ernährungswissenschaft, Food-Coaching und anderen Schnickschnack – im Hoffenheim der 1950-er Jahre oder beim Bundesliga-Start von Eintracht Frankfurt 1963 sind Wurstspezialisten auf dem Speiseplan der Kicker etwas ganz Normales. Hopp studiert Nachrichtentechnik in Karlsruhe. Er ist ein typischer Wochenend-Heimfahrer, wie so viele aus der Region. Von Karlsruhe nach Hoffenheim sind es nur 60 Kilometer. Also: Heim zu Mutter Hopp und zur Freundin – und am Sonntag zur TSG auf den Fußballplatz. Schon mit 17 spielt Hopp in der ersten Mannschaft des Klubs, der damals in der A-Klasse Sinsheim allenfalls absoluten Kennern des baden-württembergischen Fußballs ein Begriff ist. „Als Mittelstürmer wurde ich in Hoffenheim gebraucht“, berichtet Dietmar Hopp. In „Hoffe“, wie der Ort im badischen Dialekt genannt wird, zahlt man damals noch in Naturalien.

Dietmar Hopp ist ein cleverer Kaufmann. Lange bevor er 1972 mit seinen vier IBM-Kollegen, Hasso Plattner, Claus Wellenreuther, Hans-Werner Hector und Klaus Tschira, das Softwareunternehmen Systemanalyse und Programmentwicklung (SAP) gründen und zum Vorstandsvorsitzenden, Milliardär und zu einem der reichsten Männer Deutschlands aufsteigen wird, hat er seinen ersten Sponsoring-Deal in der Tasche. Mit dem Bauern aus der Nachbarschaft. Der lobt für jedes Tor von Dietmar Hopp eine Dose Leberwurst aus. Wahrscheinlich muss man dem Mann im Kraichgau ewig dankbar sein. Am Sonntagabend, direkt nach den Spielen, wird geliefert – und Hopp nimmt diese regionale Spezialität mit ins Studentenwohnheim. „Einmal“, so erinnert sich der SAP-Gründer, „habe ich gleich drei Dosen mitgebracht. Das war ein großes Hallo.“

Dass einmal der große FC Liverpool mit Jürgen Klopp zur Champions-League-Qualifikation, der FC Bayern München mit Hopps Golf-Freund Franz Beckenbauer oder Manchester City mit Pep Guardiola in Sinsheim vorbeischauen könnten, ist in diesen Tagen noch bizarrste fußballerische Science-Fiction. Die Highlights in „Hoffe“ sind die Derbys gegen den FC Zuzenhausen. Nicht mal vier Kilometer Luftlinie trennen die beiden Kraichgau-Gemeinden. „Das war noch echte Rivalität“, schwärmt Hopp von diesen Zeiten. „Es ist erstaunlich, wie prägend diese frühen Erfahrungen sind“, heißt es dazu in einem Porträt des Hoffenheimer Machers auf der Homepage der TSG 1899, „Dietmar Hopp kann lebhaft davon erzählen. Sogar von einzelnen Spielszenen und Situationen.“ Stürmer Hopp sorgt sogar für einen Hoffenheimer Abstieg. Als es um den Liga-Verbleib geht, haben die Zuzenhausener Mitleid mit dem Nachbarn und schicken die B-Elf. „Ich hatte fast das Gefühl, dass die uns gewinnen lassen wollen“, erinnert sich Hopp – und verschießt einen Elfmeter. 3:5 heißt es am Ende, Hoffenheim steigt ab. Das ist Anfang der 1960-er Jahre, in der Hochphase des Kalten Krieges.

Alles ändert sich 1989. Der Kalte Krieg ist zu Ende und Milliardär Hopp beschließt, seinem Heimatverein 1899 Hoffenheim, dem er so viele schöne Fußball-Erlebnisse verdankt, finanziell unter die Arme zu greifen. Die TSG dümpelt in den Niederungen des baden-württembergischen Amateurfußballs. Also da, wo sie immer war. Hopp schaut eher zufällig in dem kleinen Stadion vorbei und beschließt, sich finanziell einzubringen. Geld spielt keine Rolle. Hopp gelingt in dieser Zeit sein erster Transfer-Coup. Er kann den ehemaligen Pokal-Helden des VfB Eppingen, Erwin Rupp, als Trainer verpflichten. Im Oktober 1974 hat Rupp mit den Eppingern den großen Hamburger SV aus dem DFB-Pokal gekegelt und für eine der größten Sensationen in diesem Wettbewerb gesorgt. 1990/91 geht es mit Rupp und Hopp hoch in die Bezirksliga, 1992 in die Landesliga. 1996 folgt der Aufstieg in die Verbandsliga und 2000 in die Oberliga.

Hopp lebt für „seine“ TSG Hoffenheim, aber er stellt den Erfolg nie über das Menschliche. So schreibt das Magazin Top in Fußball – Hoffenheim (Sonderheft) 2009: „Die Menschen stehen bei Hopp sowieso im Vordergrund. Bei SAP nannte man ihn „Vadder Hopp“. Er sorgte dafür, dass es seinen Mitarbeitern gut ging, sein Credo ist: „Durch Menschlichkeit und Verständnis zu Leistung anspornen.“ Mehr als 350 Millionen Euro hat er seit 1989 in den Verein investiert, aber auch andere Teams wie die Handballer von den Rhein-Neckar-Löwen oder die Eishockey-Mannschaft Adler Mannheim (seit 1998) finanziell unterstützt.

Mit 1899 Hoffenheim gelingt 2007/08 unter Trainer und „Fußball-Professor“ Ralf Rangnick der Durchmarsch von der Regionalliga in die Bundesliga. Aber: Nicht alle sind dem Wohltäter wohl gesonnen. Das finanzielle Engagement von Dietmar Hopp steht vom ersten Tag in der deutschen Fußball-Eliteliga in der Kritik. Der Hauptvorwurf: Hopp, der nur als Mäzen auftritt und kein offizielles Amt im Verein innehat, unterhöhlt die in Deutschland geltende „50 plus 1“-Regelung. Hopp, so sehen es jedenfalls die Kritiker, greife direkt ins operative Geschäft ein, was Investoren verboten ist. Auch wird 1899 Hoffenheim vorgeworfen, ein „Klub ohne Tradition“ zu sein. Die „Traditionskarte“, aber auch die „Der macht 50 plus 1 kaputt“-Karte spielt von Anfang an Hans-Joachim Watzke. Der Vorstandsboss von Borussia Dortmund, der 2008 beinahe neidisch in den Kraichgau zu blicken scheint, profiliert sich schnell als Chefkritiker des Modells Hoffenheim. Es könne nicht sein, behauptet Watzke, „dass so eine Mannschaft [wie Hoffenheim] einen der 36 Plätze im Profifußball wegnimmt“. Die Sprüche aus München sind feinsinniger. „1899 Hoffenheim – Ich frage mich: Wo haben die sich all die Jahre versteckt?“, stellt Bayern Münchens Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, beim Rekordmeister auch für das „offene Wort“ zuständig, unmittelbar vor dem ersten Aufeinandertreffen in der Bundesliga am 5. Dezember 2008 eine nicht ganz unberechtigte Frage. Mit 2:1 und durch den späten Siegtreffer von Weltmeister Luca Toni kann der Branchenriese den Emporkömmling vom Dorf abschmettern. „Toni erledigt Hoffenheim“, schreibt Italiens Fußball-Bibel Gazzetta dello Sport, „die Revolution bremst ab.“

Watzke dagegen gießt weiter Öl ins Feuer. Er spricht von einer „Benachteiligung der Traditionsvereine“ – und stößt mit seiner Kritik bei weiten Teilen des Dortmunder Publikums auf offene Ohren. Hopp wird kurzerhand zum „Staatsfeind Nummer eins in Westfalen“ erklärt und muss sich Beleidigungen, Diffamierungen und Drohungen gegenübersehen. Besonders bekannt wird ein Banner eines BVB-Fans, auf dem das Gesicht von Hopp in einem Fadenkreuz mit der Unterschrift “Hasta la vista, Hopp” zu sehen ist. Aufhalten lässt sich das „Projekt“ Hoffenheim, wie Watzke es gern abfällig bezeichnet, durch solche Aktionen natürlich nicht. Hopp macht Hoffenheim salonfähig. 2009 ist die 60 Millionen Euro teure Rhein-Neckar-Arena fertig. Zum 100-jährigen Vereinsjubiläum 1999 hat er den Seinen schon einmal ein Stadion gegönnt. Es ist das 5.000 Zuschauern Platz bietende Dietmar-Hopp-Stadion. Als die neue Rhein-Neckar-Arena mit einem 2:0 von „Herbstmeister“ Hoffenheim gegen Energie Cottbus zum Rückrundenstart 2009 eingeweiht wird, ist Hopp stolz. „Wir sind nicht mehr der Dorfverein, sondern der Verein der Rhein-Neckar-Metropol-Region mit 2,4 Millionen Einwohnern.“ Von Hopps Mäzenatentum profitieren sie alle im Kraichgau. Auch der alte Rivale aus Zuzenhausen bekommt etwas vom „Hoffenhype“ (Top in Fußball) ab: Für 15 Millionen Euro entsteht dort das Trainingszentrum der TSG 1899 Hoffenheim.

TSG Hoffenheim
Abb.1.13.11 Dietmar Hopp schaut sich das das Spiel der TSG Hoffenheim gegen den FC Liverpool an. Es ist die Qualifikation zur Champions-League. Am 15.08.2017 verliert Hoffenheim mit 1:2. Foto: Imago Images/ Action Pictures

Wurstspezialitäten als Ansporn für Tore für einen eher mittelmäßigen Stürmer und eine Niederlage gegen den Nachbarn – zwei Special Moments für die TSG Hoffenheim – mit gravierenden Auswirkungen für ganz Fußball-Deutschland.

Weise Worte

Zitate für die Ewigkeit

„Wir haben 17 Mal die Latte oder den Pfosten getroffen. Das ist die einzige Statistik, in der wir Tabellenführer sind.“ Julian Nagelsmann als Trainer bei TSG Hoffenheim im März 2019, nach einem 2:3 gegen Eintracht Frankfurt

„Was Ribery an Ablöse gekostet hat und an Gehalt kostet - das würde bei uns für zwei, drei Jahre für den ganzen Kader reichen."

Ralf Rangnick als Trainer der TSG Hoffenheim im Jahr 2009

„Wenn sie flotte Sprüche hören wollen, dann müssen sie nach München gehen. Wenn sie flotten Fußball sehen wollen, dann sind sie bei uns genau richtig.“ Ralf Rangnick im Dezember 2008

„Ich bin schon überrascht. Ich habe mit Franz Beckenbauer und Fritz Scherer ein gutes Verhältnis und dachte, das habe ich auch mit Uli Hoeneß. Doch da muss ich mich wohl getäuscht haben."

Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp.

Hooligans? „Wenn sich Leute im Wald die Köpfe einschlagen wollen, dann sollen sie das tun. Jeder hat sein Hobby." Und: „Die mit den kleinen Eiern treffen sich vorm Stadion, die mit den großen Eiern treffen sich im Wald.“ Sandro Wagner

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Die laufende Informationsbasis für fundierte Predictions: Kader, Statistiken, Head-to-Head, Verletzungen, Form — alles, was ein Profi über TSG Hoffenheim wissen muss.

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Andere Vereine

Triumphe, Tragödien, Erfolge und Peinlichkeiten

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Über dieses Projekt

„AKTE HOFFE" ist ein Dossier über TSG Hoffenheim. Ziemlich ungerecht, bewusst einseitig — aber mit viel Liebe zum Detail und dem nötigen Respekt.

Teil der Akte Bundesliga-Serie — 18 Club-Dossiers über die Bundesliga-Vereine.

Autoren: Sophie Hargesheimer, Thomas Look & Carsten Germann
Redaktion: Bilder: Imago Images
Produktion: Marcus Brauer, Denis Tuksar